Richard Wagner

Der Komponist wurde am 22. Mai 1813 in Leipzig als neuntes Kind des Polizeiaktuarius Carl Friedrich Wagner (1770-1813) und der Bäckerstochter Johanna Rosine Wagner geb. Pätz (1774-1848) geboren.
Im August 1814 heiratete Wagners Mutter den jüdischen Schauspieler und Dichter Ludwig Geyer, der sich der Familie nach dem Tod des Vaters angenommen hatte, den Wagner aber nie gemocht hat. Noch 1814 übersiedelte die Familie nach Dresden.
Im Jahr 1828 kehrte Wagner nach Leipzig zurück. Hier lernte er 1828/1830 an der Nikolaischule sowie an der Thomasschule.
Mit 16 Jahren erlebte Wagner Wilhelmine Schröder-Devrient in "Fidelio". Von nun an stand für ihn fest, Musiker zu werden, und er verfasste bald erste Sonaten, ein Streichquartett sowie den unvollendeten Opernversuch "Die Hochzeit".
Ab 1831 studierte er an der Universität Leipzig Musik, außerdem nahm er Kompositions-Unterricht beim Thomaskantor Christian Theodor Weinlig, dem er auch sein erstes Werk (Klaviersonate in B-Dur) widmete.
1833 wurde Wagner durch den Schriftsteller und Publizisten Heinrich Laube von den Ideen des "Jungen Deutschland", einer revolutionär orientierten literarischen Bewegung des Vormärz, beeindruckt. Gleichzeitig begann er mit der Komposition der "Feen", nachdem er als Chordirektor vom Würzburger Theater engagiert worden war. In Laubes "Zeitung für die elegante Welt" erschien bald darauf sein Aufsatz "Die Deutsche Oper". Als musikalischer Leiter der Sommersaison in Bad Lauchstädt und des Theaters in Magdeburg lernte er die Schauspielerin Minna Planer (*5. September 1809 in Oederan, † 25. Januar 1866 in Dresden) kennen, die er 1836 heiratete.
Am 1. April 1837 wurde Wagner Musikdirektor in Königsberg. Der Theaterbetrieb brach allerdings kurz darauf wegen der Direktion zusammen. Wagner geriet in Schulden. Im Juni 1837 gelang es ihm, eine Dirigentenstelle in Riga zu erlangen, wo er vor seinen deutschen Gläubigern sicher war. Hier entstand 1838 der Text und der Beginn der Partitur des "Rienzi".
1839 verlor Wagner jedoch seine Stellung in Riga. Aus Furcht vor seinen Gläubigern überschritt er heimlich die russisch-ostpreußische Grenze und fuhr auf dem kleinen Segelschiff "Thetis" nach London. Die stürmische Überfahrt brachte erste Inspirationen für den "Fliegenden Holländer".
Wagner verbrachte die Jahre 1840 und 1841 unter ärmlichen wirtschaftlichen Bedingungen in Paris: Er vollendete den "Rienzi" (1840) und den "Fliegenden Holländer" (1841). In diese Zeit fiel auch die Beschäftigung mit Ludwig Feuerbachs atheistischer Philosophie und den Theorien des französischen Frühsozialisten und frühen Theoretikers des modernen Anarchismus Pierre Joseph Proudhon, die auf seine ersten Vorstellungen vom Nibelungendrama abfärbten.
1843 wurde Wagner zum Königlich-Sächsischen Kapellmeister an der Dresdner Oper ernannt. Hier befreundete er sich mit dem russischen Anarchisten Michail Bakunin. 1849 musste er als Revolutionär wegen der Teilnahme am Dresdner Maiaufstand im späteren Verlauf der Märzrevolution im Königreich Sachsen fliehen, und wurde, wie auch sein Freund Gottfried Semper, von der Polizei steckbrieflich gesucht. Während dieser unruhigen Zeit entstand Tristan und Isolde.
Wagners zweite Frau war Cosima Wagner, die Tochter von Franz Liszt und eigentliche Ehefrau von Wagners Freund Hans von Bülow, bis diese sich trennten. Mit ihr hatte er drei Kinder: Eva, Isolde und Siegfried.
Folgende Werke wurden von Richard Wagner komponiert: "Der Ring der Nibelungen (in vier Teilen)", "Tannhäuser", "Tristan und Isolde", "Lohengrin", "Die Meistersinger von Nürnberg" und "Parsifal".
Nachdem Richard Wagner ab 1864 zur Fertigstellung seiner Werke finanziell von König Ludwig II. von Bayern unterstützt wurde, verstarb der Komponist am 13. Februar 1883 in Venedig.

"Königsfreundschaft"

Schon in frühester Kindheit wurde die Phantasie König Ludwigs durch die Wandmalereien im Schloß Hohenschwangau stark angeregt. Die Abbildungen deutscher Heldensagen, darunter auch die des Schwanenritters Lohengrin, faszinierten den jungen Ludwig auf Höchste, der Schwan aus Lohengrin wurde als Zeichen der Reinheit sein Lieblingstier.

Als am 28. Februar 1858 die Erstaufführung des Lohengrins, komponiert von Richard Wagner, stattfand, wurde dem Kronprinzen jedoch der Besuch vom Vater Maximilian II. untersagt.
Erst drei Jahre später durfte Ludwig am 02. Februar 1861 mit seiner Erzieherin Sybille Meilhaus die Wiederaufführung im Hoftheater zu München erleben.
Der Kronprinz vergoss nach der Vorstellung "Tränen höchsten Entzückens" und lernte Teile des Librettos und Stellen aus anderen Wagner-Werken auswendig.
Neun Jahre danach gestand der König seinem Komponisten "So schlecht sie war, so verstand ich doch das Wesen dieses göttlichen Werkes zu erkennen: in seiner Aufführung ward der Keim zu Unserer Liebe und Freundschaft bis zum Tod, von dort ward der bald zur mächtigen Flamme werdende Funke für Unsere heiligen Ideale in mir entzündet."
Ludwig sah in den Werken Wagners die musikalische Umsetzung seiner reinen und vollkommenen Ideale, Wagners Musik gab seinen Träumen und Phantasien die perfekte Untermalung.

Kurz nach seinem Regierungsantritt ließ der junge König 1864 nach seinem genialen Komponisten suchen und ihn nach München an den Hof holen. Der Komponist war zutiefst vom bayerischen König und dessen hochaufragender Gestalt gerührt und sah sich endlich aus seiner misslichen Finanzlage befreit.

Und tatsächlich erhielt Wagner von da an die volle Unterstützung seines Mäzens, besonders auf finanzieller Ebene, was den Münchnern und auch den Regierungsmitgliedern mit der Zeit aufs Höchste mißfiel. Denn ob der Großzügigkeit des Königs verlangte Wagner immer größere Geldsummen, sein Lebensstil wurde immer verschwenderischer. Es sollte sogar in München ein Festspielhaus für den "göttlichen Freund" gebaut werden. Schon bald wurde er in München "Lolus" genannt, in Anlehnung an Lola Montez, die als Geliebte König Ludwigs I. maßgeblich zu dessen Abdankung beitrug.
Als sich das Kabinett schließlich gegen die hohen Zahlungen an Wagner stellte, begab sich der Komponist auf die politische Ebene. Ludwig müsse diese "Brut beseitigen", er verfasste sogar anonyme Briefe, die die Absetzung von "Pfi" (Pfistermeister) und "Pfo" (von der Pfordten) und der Regierung zum Inhalt hatten.

Der König war hin- und hergerissen, er dachte gar an Abdankung, damit er seinem "Meister" weiterhin die Treue halten könne.
Doch das Kabinett war stärker, es gelang ihnen, dass Ludwig seinen geliebten Freund aus München verwies.
Am 10. Dezember 1865 verließ Richard Wagner München in Richtung Schweiz, wo eine Villa in Tribschen bei Luzern sein Exil wurde. Und obwohl sich ab da das Verhältnis zwischen dem Gönner und seinem Komponisten etwas abkühlte, erhielt Wagner weiterhin ein Jahresgehalt in Höhe von 8000 Gulden und finanzielle Unterstützung. Auch besuchte der König den Komponisten desöfteren und es gab zahlreiche Treffen der beiden in Ludwigs Schlössern und Bergresidenzen.

Am 22. Mai 1872, Wagners Geburtstag, wurde in Bayreuth, "weit weg von München", der Grundstein zum Festspielhaus gelegt, zudem der König ebenfalls eine gewisse Summe beisteuerte.

War Richard Wagner zu Ludwigs Zeiten in der bayerischen und vorallem in der Münchner Bevölkerung sehr umstritten, so gilt er heute unter Musikkennern und Liebhabern der Künste als bespielloses Genie seiner Zunft. Wo seine Werke damals von den Mitgliedern des königl. Kabinetts als "Grauensmusik" bezeichnet wurde, die wahnsinnig mache, so pilgern heute tausende zu den alljährlichen Wagner-Festspieltagen nach Bayreuth.