Verlobung mit Herzogin Sophie in Bayern
Ludwig fühlte sich nie besonders zu Frauen hingezogen, nur seiner acht Jahre
älteren, seit 1854 mit Kaiser Franz Joseph von Österreich vermählten
Groß-Cousine Elisabeth brachte er besondere Vererhung entgegen. Beide verband die Vorliebe für alles Schöne, für alles Mystische und die tiefe Abneigung gegen die höfischen Zwänge. Beide fühlten sich in größerer Gesellschaft am Hofe unwohl und hassten es, der Mittelpunkt unter vielen Menschen zu sein. Im Laufe der Jahre haben sich beide immer mehr zurückgezogen, Ludwig in "seine Bergwelt", Elisabeth in ihre Reisen quer durch Europa und fühlten sich von der Welt nicht verstanden. Mit der Zeit fühlte sich Ludwig auch zu Elisabeths jüngerer Schwester Sophie Charlotte hingezogen. Ihre Eltern, Herzog Max in Bayern und Prinzessin Ludovika, Schwester von König Maximilian II., lebten in München und im Sommer auf Schloss Possenhofen am Stanrberger See, also in direkter Nähe zum Königshaus. So kam es, dass sich die beiden immer häufiger besuchten und als der Austausch kleiner Geschenke und Briefe immer heftiger wurde, drängte Herzogin Ludovika auf eine Entscheidung bezüglich einer Heirat. Am 22. Januar 1867 wurde schließlich offiziell die Verlobung zwischen Seiner Majestät König Ludwig II. von Bayern mit seiner Cousine Prinzessin Sophie Charlotte in Bayern bekanntgegeben . Am Abend der Verlobung besuchte das Paar zusammen eine Vorstellung im Hoftheater. Es war ein schönes Brautpaar: "Der König, ein sehr großer, schlanker junger Mann mit schwärmerischen dunklen Augen, nahm sich in der Uniform eines Chevauxleger-Regiments sehr gut aus; die Braut, ebenfalls eine hohe, schlanke Gestalt, war in ihrem weiß-blauen, ganz mit silbernen Sternen bestickten Ballkleid reizend anzuschauen." Das Volk war begeistert; Verlobunsgfotos zierten die Auslagen der Läden in München, in der königlichen Münze wurde eine Erinnerungsmedaille geprägt, ein prachtvoller Hochzeitswagen wurde in Auftrag gegeben und üfr die zukünftige Königin die sog. "Hofgartenzimmer" in der Residenz in Stand gesetzt. Im Februar fand ein Hofball zur Feier der Verlobung statt, den der König jedoch offensichtlich nicht sehr genoss. Er wollte nämlich unbedingt ins Theater, um eine Drama von Schiller anzusehen. Deshalb verließ er frühzeitig den Ball, ohne sich von seiner Braut zu verabschieden. Die Gäste waren wenig angetan von diesem Benehmen und Sophie war sehr verärgert. Herzogin Sophie teilte mit Ludwig allerdings auch eine große Leidenschaft, die Verehrung Richard Wagners. In Anlehnung an Wagners Werk 'Lohengrin' nannte er seine Braut Elsa. Sich selbst bezeichnete er allerdings nicht als Lohengrin, der um die Hand Elsas von Brabant freite, sondern als Heinrich, nach dem deutschen König Heinrich I. dem Vogler, der im 'Lohengrin' als gerechter Richter Gerichtstag in Antwerpen hält. Sophie spielte vorzüglich Klavier und konnte singen. Dem könig zuliebe spielte sie Arien der Elsa, Elisabeth und Senta. Nach der Verlobung sah sich das Brautpaar aber nur noch selten und des Königs Heiratsabsichten begannen zu schwanken. Er sprach von der "Sehnsucht nach Vermählung", dann aber wieder davon, dass er dazu keine Zeit habe. Die dynastischen Angelegenheiten sollte sein Bruder Otto erledigen, dem er über Sophie schrieb: "Sollte es überhaupt möglich sein, dass eine Frau mich glücklich machen könnte, so wäre sie die Einzige und keine Andere." Für die Vermählung wurde zunächst ein Tag im August 1867 festgesetzt, Ludwig verschob das Datum dann allerdings auf den 12. Oktober, den Hochzeitstag seiner Großeltern und Eltern, und schließlich auf den 28. November. Die Brauteltern waren empört ob der immer länger dauernden Verzögerung und so schrieb Herzog Max einen Brief an Ludwig, mit der Frage, ob das Heiratsversprechen überhaupt noch gelte. Dieser Brief des Herzogs mit dem Ultimatum versetzte den König große Wut und er nahm ihn zum Grund, das Verlöbnis aufzulösen. So teilte der König also am 07.Oktober 1867 seiner Braut von Hohenschwangau aus schriftlich mit, daß er die Verlobung als aufgelöst betrachte. Am selben Tag notierte er in seinem Tagebuch: "Sophie abgeschrieben. Das düstere Bild verweht; nach Freiheit verlangte ich, nach Aufleben von qualvollem Alp." Nach diesem Zeitpunkt trug sich der Monarch nie wieder mit Heiratsgedanken. |
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