Gefangennahme
Am 10. Juni 1886 gegen drei Uhr nachts erschien eine Staatskommission
aus München am Schloss Neuschwanstein, um den König aufgrund des erstellten
Gutachtens festzunehmen und unter ärztliche Beobachtung zu stellen. Die
Kommission wurde geleitet von Freiherr Krafft von Crailsheim und bestand aus
den Legationsräten Graf Törring und Dr. Rumpler sowie Oberstleutnant
Maximilian Washington und Maximilian Graf von Holnstein. Der ebenfalls anwesende
Irrenarzt Dr. Bernhard von Gudden wurde von seinem Assistenzarzt Dr. Müller
und mehreren Irrenwärtern unterstützt. Gegen Mitternacht kam die Gruppe in einem Hotel in Hohenschwangau an und ließ sich zunächst zu einem Souper mit sieben Gängen nieder. In der Zwischenzeit gelang es dem Leibkutscher des Königs, Fritz Osterholzer, auf geheimen Wegen nach Neuschwanstein zu reiten, um dem König vom Eintreffen der Kommission zu berichten. Daraufhin wurde das Schloss sofort abgesperrt und die Gendarmerie sowie Feuerwehren der umliegenden Dörfer zur "Verteidigung" ans Schloss beordert. Als die Kommission den König dann festnehmen wollte, wurde sie von den Wachmannschaften daran gehindert, ins Schloss einzudringen und sie mussten unverrichteter Dinge wieder zurück nach München fahren. Der König hatte jetzt nur noch seinen Lakaien Alfons Weber als seinen letzten Vetrauten bei sich, den er als "letzten Getreuen" bezeichnete. Ihm war klar, dass bald schon eine neue Kommission aus München kommen werde und er schickte deshalb nach seinem Flügeladjudanten Graf Alfred von Dürckheim-Montmartin. Als dieser in Neuschwanstein ankam, war dessen Rat an den König, er solle sofort nach München fahren und sich dem Volk zeigen. Dieser Meinung war auch der deutsche Kanzler Bismarck, der von Dürckheim telegraphisch um Rat gefragt wurde. Dies lehnte der König jedoch ebenso ab wie eine Flucht ins nahe Tirol, das Schicksal nahm also seinen Lauf. Der neu eingesetzte Prinzregent Luitpold ließ alle Dienststellen im Füssener Raum von der Absetzung des Königs wegen dessen "angeblicher" Geisteskrankheit informieren. Ludwig befürchtete deshalb Kämpfe mit den mittlerweile von München ausgewechselten Gendarmen. Gegen Mitternacht vom 11. auf den 12 Juni 1886 kam dann die zweite Kommission aus München, die dann auch zum König vordrang. Dr. Gudden ergriff als erster das Wort, um den König aufzuklären: "Majestät, es ist die traurigste Aufgabe meines Lebens, die ich übernommen habe; Majestät sind von vier Ärzten begutachtet worden, und nach deren Ausspruch hat Prinzregent Luitpold die Regentschaft übernommen. Ich habe den Befehl, Majestät nach Schloss Berg zu begleiten, und zwar noch in dieser Nacht. Wenn Majestät befehlen, wird der Wagen um 4 Uhr vorfahren." Darauf antwortete der bedrängte König: "Ja, was soll denn das heißen, ja was wollen sie denn? Wie können Sie mich für geisteskrank erklären, Sie haben mich ja vorher gar nicht angesehen und untersucht," und der Arzt erwiderte nur: "Majestät, das war nicht mehr notwendig, das Aktenmaterial ist sehr reichhaltig und vollkommen beweisend." Was jedoch in diesen Akten stand, war keine Beweiserhebung, die durch Ärzte, sondern vielmehr durch unkundige Beamte im Auftrag des nunmehrigen Prinzregenten Luitpold erfolgt war. |
Schloß Berg
Am Pfingstsamstag, dem 12. Juni 1886, fuhren gegen 12.15 Uhr drei Wagen
in den Schloßhof von Berg am Starnberger See ein. In der ersten Kutsche
saßen Dr. Müller und zwei Pfleger, in der mittleren war der König
allein eingesperrt und in der letzten befanden sich ein Gendarmeriehauptmann und
zwei weitere Pfleger.Die Fahrt von Neuschwanstein nach Berg hatte 18 Stunden gedauert und der letzte Halt wurde in Seeshaupt am Starnberger gemacht, wo der König um ein Glas Wasser von der Posthalterin bat. Wie erniedrigend muss es für den König gewesen sein, als er bemerkte, dass in "seinem" Schloss Berg die Türklinken abgeschraubt, die Fenster vergittert und Beobachtungslöcher in die Türen gebohrt waren. Alles war schon lange vorbereitet worden. Ursprünglich sollte der König in Schloss Linderhof "unter Beobachtung" gestellt werden, doch man war sich schnelle einig, dass Schloss Berg aufgrund der "Nähe" nach München besser geeignet war. Nach dem Mittagessen legte sich der König schließlich gegen 15 Uhr zur Ruhe. Als er wie gewöhnlich gegen Mitternacht erwachte, suchte er seine Kleidungsstücke, die ihm die Wärter aber nicht gaben. Gegen morgen schlief der König dann wieder ein. Am folgenden Vormittag empfing er einige Personen, darunter Dr. Gudden und dessen Schwiegersohn, Dr. Crashey. Ludwigs Bitte, am Pfingstsonntag die Messe besuchen zu dürfen, wurde nicht entsprochen, da man einen Aufruhr in der umliegenden Bevölkerung befürchtete. Zwischen 11 und 12.15 Uhr machten Ludwig und Dr. Gudden einen ersten Spaziergang (in Begleitung zweier Irrenwärter, die in einigem Abstand folgten); es folgte ein einsames Mittagessen für den König, dann weitere Gespräche am Nachmittag mit Dr. Zanders und Dr. Müller. Gegen 18.45 Uhr am 13. Juni 1886 verließen der König und Dr. Gudden das Schloss für den letzten Spaziergang Richtung See. Wider jeder Vernunft verbot es Gudden diesmal jedoch strikt, das Pfleger mitgehen. Als die Spaziergänger gegen 20 Uhr immer noch nicht zum Schloss zurückgekehrt waren, wurden alle verfügbaren Gendarmen und Männer mit Lampen und Fackeln zur Suche ausgeschickt. |
Tod im Starnberger See
Gegen 22 Uhr bemerkte ein Hofoffiziant in der Nähe des Ufers etwas schwarzes
im Wasser treiben. Der Fund erwies sich als Überrock und Leibrock des Königs.
Hofoffiziant Rottenhöfer fand dann auch den Regenschirm und Pfleger Schneller
den Hut des Königs. In der Nähe lag der Hut Guddens.Erst eine halbe Stunden später fanden die Männer schließlich den König und den Arzt etwa 20 Meter vom Ufer entfernt im seichten Wasser treiben. Hier endet die "beweisbare Beschreibung" des Todes seiner Majestät König Ludwig II. von Bayern und Dr. Bernhard von Guddens. Amtliche Mitteilung an die Öffentlichkeit 1886: "Als der König mit Dr. Gudden die spätere Leichenfundstelle erreichte, ließ er plötzlich den Regenschirm fallen, eilte mit schnellen Schritten zum Seeufer, warf dort Rock und Überrock ab und watete in den See hinaus. Als Dr. Gudden dies bemerkte, eilte er dem König nach und versuchte, ihn im Wasser einzuholen. Es kam zu einem Kampf, der König schlug dabei dem Arzt ein paar Mal auf den Kopf, um ihn zum Loslassen zu bewegen. Dr. Gudden taumelte und sank ohnmächtig in das seichte Wasser und ertrank noch vor dem König. Nachdem Ludwig II. den Arzt abgeschüttelt hatte, ging er weiter in den See hinein, um seinem Leben selbst ein Ende zu setzen." Nach heutigem Kenntnisstand ist diese Version jedoch in jedem Fall absolut falsch, der König hatte keineswegs vor sich im Starnberger See umzubringen. Außerdem ist es merkwürdig, dass alle Beteiligten und "Mitwisser" auf Anordnung des Ministerpräsidenten von Lutz einen auf Kruzifix und Bibel geschworenen Eid ablegen mussten, "niemals und nirgends, auch im Angesicht des Todes nicht, über die Vorfälle am 13.06.1886 zu sprechen." Insgesamt sprechen zahlreiche Aussagen und Beweise gegen die damalige offizielle Version, die ich hier aber nicht alle aufführen kann. Ich kann nachfolgend nur die meine eigene Theorie darstellen: Der König wollte fliehen und hatte dazu auch die notwendige Unterstützung von außerhalb. Er drängte auf einen Spaziergang zum See ohne Begleitung, was ihm Dr. Gudden auch gewährte. Als die beiden eine Weile auf einer Bank am Seeufer gesessen hatten, sprang der König auf, warf seinen Überrock ab und rannte zum See hinunter. Auf dem See wartete in einiger Entfernung schon ein Boot, welches den König aufnehmen und an einer noch nicht von Gendarmen gesicherten Stelle - zuerst in Leoni, dann in Ammerland, ferner in Ambach und zuletzt in Seeshaupt - wieder absetzen sollte. An diesen Orten hätten jeweils vierspännige Kutschen, die der sog. "Roßbaron" Freiherr Beck von Peccoz auf Eurasburg gestellt habe, bereit gestanden, um den König nach Tirol in vorläufige Sicherheit zu bringen. Doch Dr. Gudden wollte dies verhindern und lief seinem "Schützling" hinterher und es gab eine kleine Rangelei im Wasser. Dies war von einem versteckten Gendarmen beobachtet worden, der daraufhin drei Schüsse abgab. Einer traf Dr. Gudden und zwei trafen den König im Rücken. Beide waren sofort tot und trieben bis zu ihrem Fund im Wasser. Beweisen kann ich meine Theorie natürlich nicht, aber es gibt zahlreiche Hinweise und Aussagen, die dafür sprechen. So soll es z.B. einen zweiten Mantel des Königs geben, der genau zwei Einschußlöcher am Rücken aufweist und der ausgetauscht worden sein soll. Ferner gibt es Aussagen, die von einer anfänglichen Aufbewahrung der Leichen in einem Bootshaus am See berichten, da diese aufgrund der Schußverletzungen so stark geblutet hätten. Dieses Bootshaus sei auch kurz nach der Katastrophe abgerissen worden. Ausserdem ist es verwunderlich, dass im Obduktionsbericht des Königs keinerlei Nachweise für die Todesursache aufgeführt sind und die Leiche von Dr. Gudden überhaupt nicht obduziert wurde, obwohl dies eigentlich bei unnatürlichem Tod vorgeschrieben ist. Alles in allem gibt es viele Aussagen und "Beweise" für oder gegen die ein oder andere Theorie, aber solange die einbalsamierte Leiche des Königs nicht erneut auf die damalige Todesursache untersucht werden kann, wird jede aufgestellte Theorie nur Spekulation sein. Doch eine Sarkophag-Öffnung lehnt das Oberhaupt der Wittelsbacher bis heute kategorisch ab. Das einzige was man mit hundertprozentiger Sicherheit sagen kann, ist das die damalige offizielle Version absolut falsch ist. |
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Trauerfeierlichkeiten
Die beiden Toten wurden nach dem Fund im ersten Stock des Schlosses aufgebahrt,
Dr. Gudden im ehemaligen Wohnzimmer und Ludwig II. im Schlafzimmer der Königinmutter.
Die Nachricht vom Tod des Königs wurde bereits in den frühen Morgenstunden
des 14. Juni durch Plakatanschläge der Münchner Bevölkerung bekanntgegeben.
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Neuigkeit in der Stadt und dann im ganzen
Land.Am 14. Juni 1886 wurde dann auch die Königinmutter, die gerade in Elbigenalb weilte, von Prinzessin Theresse über den Tod ihres Sohnes informiert. Die Königinmutter weinte bitterlich und erlitt einen Nervenzusammenbruch. Die Überführung des toten Königs von Schloss Berg in die Residenz nach München erfolgte in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni. Nach der Einbalsamierung wurde der Leichnam in der Allerheiligen-Hofkapelle aufgebahrt, wo die Bevölkerung drei Tage lang Gelegenheit hatte, von ihrem König Abschied zu nehmen. Sein Leichnam war in die schwarze Tracht des Großmeisters vom Orden des Heiligen Hubertus gekleidet worden. In der Linken lag ein Schwert, während in der rechten Hand ein kleiner Jasminstrauss steckte, den Kaiserin Elisabeth von Österreich nach Berg gesandt hatte. Am Samstag, dem 19. Juni 1886, begann um 11.30 Uhr ein einstündiges Trauergeläut aller Müncher Kirchenglocken, dann fuhr der Leichenwagen aus der Residenz und nahm seinen Weg zur Begräbnisstätte, der St. Michaelskirche. Der Andrang der trauernden Menge war so groß, dass die Wegstrecke sogar etwas verlängert werden musste. Als der Wagen am Kirchenportal angekommen war, wurde der Sarg von Stiftsdekan Ritter von Türck und der Hofgeistlichkeit empfangen, in den Chor getragen und dort aufgebahrt. Zahlreiche Kränze und Blumen bedeckten den Katafalk. Schließlich wurde der Sarg in einen zweiten gelegt, vom Minister des königlichen Hauses versiegelt und in die Gruft getragen. Seit dem 18. Jahrhundert war es Brauch, die Herzen der verstorbenen Wittelsbacher Regenten in der Altöttinger Kapelle in Urnen nahe dem Gnadenbild beizusetzen. Die Überführung der 65 Zentimeter hohen Herzurne mit Herzen König Ludwigs II. fand am 16. August 1886 statt. Die Urne aus vergoldetem Silber trägt neben dem bayerischen Wappen und einer Krone getrieben Sträußchen aus Alpenrosen und Edelweiß. |