Amtsantritt - Krönung 1964

Nach kurzer Krankheit starb am 10. März 1864 König Maximilian II. von Bayern nach 16jähriger Regierungszeit im Alter von 52 Jahren. "Max starb zu früh", klagte damals die Königswitwe Marie, die damit nicht nur an den Verstorbenen König, sondern vorallem auch an seinen Nachfolger dachte, ihren erst 18jährigen Sohn Ludwig.
Der durch den Tod seines Vaters zutiefst erschütterte Kronprinz wurde nämlich noch am gleichen Tag zum König von Bayern ausgerufen. Zu dieser Zeit besaß er kein abgeschlossenes Studium und durch die fehlgeleitete Erziehung seines Vaters war es ihm bisher nicht möglich gewesen, am politischen Geschehen teilzunhemen und praktische Erfahrungen am Hofe zu sammeln.
Er trat also ein schweres Erbe an, innen- und aussenpolitisch war er von Anfang an gefordert. Trotz seiner Unerfahrenheit und entgegen allen Erwartungen nahm Ludwig jedoch die ihm gestellte Aufgabe sehr ernst und beschäftigte sich eingehend mit der alltäglichen Kleinarbeit eines Regenten.

Bei seiner Eidesleistung am 11. März 1864 schwor er:
"Der allmächtige Gott hat meinen theuren, vielgeliebten Vater von dieser Erde abberufen. Ich kann nicht aussprechen, welche Gefühle meine Brust durchdringen. Groß und schwer ist die mir gewordene Aufgabe. Ich baue auf Gott, daß er mir Licht und Kraft schicke, sie zu erfüllen. Treu dem Eid, den ich soeben geleistet und im Geist unserer fast ein halbes Jahrhundert bewährten Verfassung will ich regieren. Meines geliebten Bayernvolkes Wohlfahrt und Deutschlands Größe seien die Zielpunkte meines Strebens. Unterstützen Sie mich alle in meinen inhaltsschweren Pflichten."

Zu Lebzeiten des Vaters hatte man die beiden Prinzen Ludwig und Otto nicht allzu oft in München gesehen. Als sie im Trauerzug hinter dem Sarg ihres toten Vaters schritten und aller Augen auf ihnen ruhten, machte Ludwig einen tiefen Eindruck auf die Bevölkerung. Der junge König war "vom hohem Wuchs" und körperlich sehr kräftig.

Regierungszeit (nach Petzet)

1864
10.März:
Tod König Maximilians II. Ludwig wird zum König proklamiert und leistet am 11. März den Eid auf die Verfassung
4.Mai:
Erstes Zusammentreffen mit Richard Wagner in der Münchner Residenz
18.Oktober:
Vertrag des Hofsekretariats mit Richard Wagner über die Vollendung des „Ring des Nibelungen” binnen drei Jahren und die Besitzrechte des Königs an diesem Werk
26.November:
Ludwig II. entschließt sich zum Bau eines Festspielhauses in München für die Aufführung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen”
29.Dezember:
Der Architekt Gottfried Semper erklärt dem König bei einer Audienz sein Projekt eines Festspielhauses auf den Isarhöhen.
1865
11. - 18.November:
Richard Wagner zu Besuch bei Ludwig II. in Schloss Hohenschwangau.
21. November:
Darstellung der Ankunft des Schwanenritters Lohengrin auf dem Alpsee.
10.Dezember:
Richard Wagner muß München verlassen.
1866
28.Februar:
Österreich bereitet Mobilisierung vor
29.März:
Preußen mobilisiert zum Teil
16.Juni:
Der angegriffene Deutsche Bund beschließt Krieg gegen Preußen
3.Juli:
Nach der Niederlage von Königgrätz Auflösung des Deutschen Bundes
22.August:
Bayerns Vertreter schließen ohne die vom König geforderten Souveränitätsgarantien den Friedensvertrag mit Preußen und ein Schutz- und Trutzbündnis, nach dem im Kriegsfall die bayerische Armee unter preußischem Oberbefehl steht
1867
22.Januar:
Verlobung Ludwig II. mit Sophie, einer Tochter des Herzogs Max in Bayern
31.Mai - 3.Juni:
Reise des Königs zur Wartburg nach Eisenach
20. - 29.Juni:
Ludwig II. reist als `Graf von Berg` nach Paris zum Besuch der Weltausstellung, Ausflug nach Compiègne und Besichtigung von Schloss Pierrefonds (24.Juli)
10.Oktober:
Die Auflösung der Verlobung Ludwigs II. mit Sophie wird öffentlich bekanntgegeben
1868
16.April:
Erste Idee des Königs zu einem `Wiederaufbau` der Ruine Vorderhohenschwangau
13.Mai:
Brief Ludwigs II. an Richard Wagner mit dem Konzept der Neuen Burg Hohenschwangau (Neuschwanstein)
5.Dezember:
Idee eines neuen Versailles bei Linderhof unter dem Decknamen `Meicost-Ettal`, für das Georg Dollmann bis 1873 (Kauf der Herreninsel) eine Reihe von Projekten vorlegt
1869
5. September:
Grundsteinlegung zum Palas der Neuen Burg Hohenschwangau (Neuschwanstein) nach Plänen Eduard Riedels
1870
15.Juli:
Der Ministerrat erbittet vom König den Mobilmachungsbefehl gegen Frankreich
16.Juli:
Ludwig II. befiehlt die Mobilmachung, gleichzeitig letzter Friedensvermittlungsversuch Bray-Steinburgs
19.Juli:
Französische Kriegserklärung an Preußen
13.September:
Ludwig II. teilt Bismarck mit, er sei zu einem Verfassungsbündnis bereit
1871
18.Januar:
König Wilhem I. von Preußen wird in Versailles zum ersten deutschen Kaiser proklamiert
1872
22.Mai:
Grundsteinlegung zum Bayreuther Festspielhaus
1873
25.September:
Erste Zahlungen Preußens an die königliche Kabinettskasse aus dem `Welfenfonds`
26.September:
Kauf der Herreninsel im Chiemsee, wo das von Georg Dollman geplante `Neue Versailles` (Schloss Herrenchiemsee) entstehen soll
1875
27.Mai:
Ausbruch der Geisteskrankheit bei Ludwigs Bruder Otto
1876
13.Juli:
Anweisungen des Königs zum Entwurf eines Thronsaals für Neuschwanstein
1877
Statt Hofrat Lorenz von Düfflipp, der angesichts der vielen Bauvorhaben des Königs bereits 1876 mehrfach auf die drohende Zahlungsunfähigkeit der Kabinettskasse hingewiesen hatte, übernimmt Ministerialrat Ludwig von Bürkel die Funktion des Hofsekretärs
1880
12.Dezember:
Erster Besuch Ludwigs II. im Palas von Neuschwanstein, der 1880 im Rohbau unter Dach gebracht wird
1881
30. Mai - 6.Juni:
Besuch des Schauspielers Josef Kainz in Linderhof, gemeinsame Ausflüge mit dem König
27.Juni - 14.Juli:
Schweizreise Ludwigs II. mit Josef Kainz auf den Spuren Wilhelm Tells
1883
13.Februar:
Tod Richard Wagners in Venedig
18.Februar:
Beerdigung Richard Wagners in Bayreuth
26.März - 13.April:
Aufführung sämtlicher Werke Richard Wagners an der Münchner Hofbühne in der Reihenfolge ihrer Entstehung
1884
16.Mai:
Kauf der Burgruine Falkenstein
27.Mai - 8.Juni:
Ludwig II. bewohnt seine vollständig eingerichtete Wohnung in Schloss Neuschwanstein
1.Juni:
Die bedenkliche Lage der verschuldeten Kabinettskasse wird durch eine von Finanzminister Emil von Riedel vermittelte Bankanleihe in Höhe von 7 Millionen Mark erleichtert, die der König jedoch sogleich für neue Bauprojekte einsetzt (Planungen für Burg Falkenstein, Hubertuspavillon bei Linderhof, ein neues Linderhofer Schlafzimmer, einen Maurischen Saal in Neuschwanstein u.a.). Den Nachfolgern des zurückgetretenen Hofsekretärs Ludwig von Bürkel gelingt es in der folgenden Zeit nicht mehr, die zerrüttete Kabinettskasse zu sanieren.
1885
29.August:
Auseinandersetzungen um die mit ca. 14 Millionen Mark Schulden belastete Kabinettskasse. Ludwig II., der seine Bauprojekte weiterführen möchte, fordert von Finanzminister Emil von Riedel eine entsprechende Regelung seiner Finanzen
7. - 16.September:
Ludwig II. bewohnt zum ersten und letzten Mal das Schloss Herrenchiemsee
15.Oktober:
Königinmutter Marie darf anläßlich ihres 60.Geburtstags Schloss Neuschwanstein besichtigen
1886
26.Januar:
Ludwig II. droht Innenminister Feiherr Max von Feilitzsch, sich zu töten oder das Land zu verlassen, wenn es zu einem „Vergreifen am königlichen Eigentum” käme, nachdem angeblich die Gefahr bestand, daß die Gläubiger der vor dem Bankrott stehenden Kabinettskasse zur Befriedigung ihrer Ansprüche auf die Schlösser des Königs zurückgreifen könnten
8.Juni:
Das Gutachten von Professor Bernhard von Gudden und drei weiterer Ärzte erklärt Ludwig II. für „seelengestört” und verrückt, „unheilbar” und auf Lebenszeit an der Regierung verhindert
9.Juni:
Entmündigung Ludwigs II. auf Grund des ärztlichen Gutachtens
10.Juni:
Übernahme der Regentschaft durch Prinz Luitpold, einen Onkel des Königs. Ludwig II. läßt die Staatskommission, die ihn abholen will, in Schloss Neuschwanstein verhaften
 

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