Schloß Neuschwanstein

Schloß Neuschwanstein ist das architektonisch spektakulärste der drei großen Königsschlösser, die der „Märchenkönig" Ludwig II. von Bayern errichten ließ.
Das über einem hohen Fels über die Pöllatschlucht in der Nähe von Füssen aufragende Neuschwanstein bildet mit seiner imposanten Optik und den zahlreichen Türmen und Spitzen den Inbegriff eines mittelalterlichen Märchenschlosses.

Die geistigen Wurzeln dieser stolzen "Ritterburg" liegen wohl im unterhalb gelegenen Schoß Hohensschwangau. Denn in diesem von seinem Vater Maximilian restaurierten Schloss verbrachte der junge Ludwig den Goßteil seiner Kindheit und Jugend. Hier wurde es insbesondere durch die herrlichen Wandmalereien im Stil des 19. Jahrhunderts an die große Vergangenheit seines Hauses Wittelsbach erinnert. Die Heroen der deutschen Heldensagen beflügelten ihn und regten das phantasievolle Gemüt Ludwigs an.

In einem Brief an Richard Wagner im Mai 1868 schreibt er:

"Ich habe die Absicht, die alte Burgruine Hohenschwangau bei der Pöllatschlucht neu aufbauen zu lassen im echten Stil der alten deutschen Ritterburgen und ich muß Ihnen gestehen, daß ich mich sehr darauf freue, dort einst zu hausen; mehrere Gastzimmer, von wo man eine herrliche Aussicht genießt auf den hehren Säuling, die Gebirge Tyrols und weithin in die Ebene, sollen wohnlich und anheimelnd dort eingerichtet werden; Sie kennen ihn, den angebeteten Gast, den ich dort beherbergen möchte; der Punkt ist einer der schönsten, die zu finden sind, heilig und unnahbar, ein würdiger Tempel für den göttlichen Freund, durch den einzig Heil und wahrer Segen der Welt erblühte ..."

Schloß Neuschwanstein war also eine Huldigung an seinen Freund Richard Wagner, was hier entstand waren im????³? Grunde Bühnenbilder in Stein. Bühnenmaler hatten bei der Gestaltung das erste Wort Die nach Anweisungen Ludwigs von Angelo II Quaglio geschaffenen Szenerien für die Müncher Inszenierung von 'Lohengrin' und 'Tannhäuser' 1867 und die vom König bestellten Vorentwürfe des Bühnenmalers Christian Jank wurden vom Hofbaudirektor Eduard von Riedel, der 1874 von Georg Dollmann abgelöst wurde, in Baupläne umgesetzt.

Der König bestimmte alles bis in die letzte Einzelheit der Einrichtung mit. Innenhof, Gänge, Räume, Wandbilder: überall Erinnerungen an die großen Opernwerke Richard Wagners. Während des Entstehens wurde das Schloß für Ludwig mehr und mehr zum sakralen Bau, zu "seiner Gralsburg".
Der Thronsaal in Neuschwanstein gleicht dem Bühnenbild zum Gralstempel einer 'Parsifal-Inszenierung'. Der Sängersaal mit Anklängen an die Halle der Wartburg bei Eisenach ist einem Bühnenbild zum 'Tannhäuser' nachempfunden. Und für das Schlafzimmer diente das Lohengrin-Brautgemach als Vorbild.

Der Grundstein zur "Neuen Burg zu Hohenschwangau", den Namen 'Neuschwanstein' erhielt die Burg erst nach dem Tode Ludwigs, wurde am 05. September 1869 gelegt.

In den Jahren 1869-1873 wurde als erstes der Torbau fertiggestellt und komplett eingerichtet, sodass der König die Bauarbeiten stets "vor Ort" verfolgen konnte.
Ab 1873 wurde mit dem Bau des Königsbaus, dem sog. Palas, begonnen.
Bis 1883 wurde dieses Gebäude fertiggestellt und im Erdgeschoss sowie im 1., 3. und 4. Obergeschoss ausgebaut.
Im Frühjahr 1884 waren die Räume der Königwohnung im 3. Obergeschoss beziehbar und Ludwig II. hat in den zwei Jahren bis zu seinem Tod rund ein Viertel seiner Zeit dort verbracht.
Als der König am 13. Juni 1886 starb, wurden alle Bauarbeiten eingestellt. So verblieben das 2. Obergeschoss des Palas und der gesamte Ritterbau im Rohbau. Die Kemenate wurde erst 1890 nach den ursprünglichen Plänen in etwas vereinfachter Form gebaut, unter Verzicht auf dekorative Einzelheiten und den eigentlich vorgesehenen Turm. Der gewaltige Bergfried, der mit 90m Höhe alles überragen sollte, wurde überhaupt nicht mehr gebaut. Im Pflaster des oberen Hofes ist jedoch noch der Grundriß des Turmes sichtbar eingelassen.
Nicht mehr gebaut wurde auch die westliches Terrasse, die man vom ebenfalls nicht mehr vollendeten Bad aus erreicht hätte. Dieses Bad sollte beheizbar sein und nach dem Ritterbad der Wartburg gestaltet werden.

Bezeichnend für diese "Unvollständigkeit" des Schlosses ist jedoch vorallem der Thronsaal. Hier sollte nämlich ursprünglich ein Königsthron aufgestellt werden, der aber nach dem Tod Ludwigs wieder "abbestellt" wurde und bis heute fehlt.

Der König erlebte seine geliebte Gralsburg also immer nur als Baustelle und konnte sie nie vollendet sehen.

 

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