"Ich will ein König nur des Friedens sein ..."König Ludwig II. von Bayern war seit seiner Kindheit ein sehr friedliebender Mensch.Er mochte das Jagen nicht und hasste Uniformen, die er dann bei öffentlichen Anlässen auch nur recht widerwillig trug. Seinem Volk und sich selbst zuliebe wollte er jeden Krieg vermeiden, doch wurde er während seiner Regierungszeit zweimal von anderen Mächten und dem politischen Umbruch in Europa zu zwei Kriegserklärungen gezwungen, die er bis zu seinem Tode nie wirklich überwinden konnte. |
Deutscher "Bruderkrieg" 1866
Der Ursprung für den deutschen "Bruderkrieg" 1866 ist definitiv in der Zeit vor Ludwigs Regierungsantritt zu suchen.Schon sein Vater, König Maximilian II. von Bayern, war vor dessen Tod sehr mit der sog. "Holstein-Frage" beschäftigt. Vordergründig ging es nach dem Deutsch-Dänischen Krieg um die Verwaltung der beiden deutschen Herzogtümer Schleswig und Holstein. König Max unterstützte mit den übrigen Staaten des "Deutschen Bundes" (Sachsen, Bayern, Baden, Württemberg, Hannover, Hessen-Darmstadt, Kurhessen, Nassau und einigen anderen deutschen Kleinstaaten) die Forderungen Österreichs nach Selbstständigkeit der beiden Herzogtümer an der Elbe, um so eine weitere Ausdehnung Preußens verhindern zu können. Im Prinzip war dadurch also ein Streit um die Vorherrschaft innerhalb des Deutschen Bundes, die bisher klar Österreich inne hatte, ausgebrochen. Und nachdem das noch von Österreich verwaltete Holstein am 07. Juni 1866 widerrechtlich von Preußen besetzt wurde, forderten die Habsburger von den anderen Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes am 11. Juni die Bundesexekution des "Rechtsbrechers" Preußen. Einen Tag zuvor, am 10. Juni 1866, verordnete die königl. Regierung im Namen Seiner Majestät König Ludwig II. von Bayern die Mobilmachung der bayrischen Armee. Auch wenn Ludwig diesen Schritt eigentlich nicht gehen wollte und auch seine Minister nicht an einem Sieg Österreichs glaubten, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Kriegserklärung an Preußen zu unterschreiben. Bayern war mit den Habsburgern verbündet und selbst wenn das Land neutral geblieben wäre, wäre es womöglich ganz von Preußen besetzt worden. Somit zogen also Ende Juni des Jahres 1866 insgesamt 12 bundestreue Staaten unter der Führung Österreichs gegen 18 norddeutsche Staaten unter preußischer Führung ins Feld. Doch schon am 03. Juli wurden die österreichischen Truppen in der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz (Sadowa) in Böhmen von den weitaus besser ausgerüsteten preußischen Truppen, persönlich angeführt vom preußischen König Wilhelm, besiegt. Die letze Schlacht des "Bruderkrieges" fand dann im sog. "Mainfeldzug" am 26. Juli 1866 statt, als die bayrischen Truppen bei Uettingen-Rossbrunn von Preußen besiegt wurden. König Ludwig zog sich direkt nach der Unterzeichung der Kriegserklärung in sein Schloß Berg am Starnberger See zurück und weigerte sich, aktiv an jeglichem Kriegsgeschehen teilzunehmen. Schon dieses Verhalten wurde ihm von weiten Teilen der Bevölkerung übel genommen, weshalb er sich nach Kriegsende dazu entschloss, die vom Krieg heimgesuchten Regionen Nordbayerns, vorallem Franken, zu besuchen. Die vierwöchige Rundreise des Königs wurde zu einem wahren Triumphzug, in Nürnberg wurde Ludwig unter stürmischem Jubel empfangen. Er trat sogar die Überlegung an, Nürnberg zu seiner neuen Residenzstadt zu machen, so begeistert war der König von Bayern über seine treuen Untertanen in Franken. Die von Preußen an Bayern gestellten Friedensbedingungen nach dem Waffenstillstand waren jedoch nicht so erfreulich für König Ludwig und dessen Regierung. So sollte Bayern zwei unterfränkische Bezirksämter abgeben, eine Summe von 30 Millionen Gulden Kriegsentschädigung zahlen, mit Preußen ein "Schutz- und Trutzbündnis" schließen und sich verpflichten im Kriegsfalle die bayrischen Truppen dem direkten Kommando des preußischen Königs zu unterstellen. |
Deutsch-Französicher Krieg 1870/71
Schon während der innerdeutschen Auseindersetzung zwischen Preußen und Österreich, die schließlich im "Bruderkrieg" gipfelte,
versuchte Frankreichs König Napoleon III. einen Keil zwischen die beiden Großmächte zu treiben, indem er mit beiden über ein mögliches
Eingreifen Frankreichs verhandelte.Durch den schnellen Sieg Preußens konnte Napoleon III. jedoch nichts erreichen und betrachtete dies sogar indirekt auch als eine Niederlage Frankreichs. Statt durch den Krieg die Machtstruktur Deutschlands zu schwächen, ging Preußen gestärkt aus der Auseinandersetzung hervor und der "Norddeutsche Bund" sowie zahlreiche "Schutz- und Trutzbündnisse" mit den süddeutschen Staaten wurden gegründet, was eine weitere Provokation Frankreichs darstellte. Als Frankreich im weiteren Verlauf seinerseits Bündnisse mit Österreich und Italien einging, wurden die Spannungen mit Preußen noch mehr verschärft. Höhepunkt dieses Konflikts war schließlich die "Emser Depesche", in der es eigentlich um die spanische Thronkandidatur ging. 1868 war nämlich in Spanien die korrupte Königin Isabella II. gestürzt und damit der Thron vakant geworden. Man trug daraufhin dem Erbprinzen Leopold aus der katholischen Hohenzollernlinie die spanische Krone an, die dieser auch annahm. Frankreich sah sich dadurch von beiden Seiten durch die Hohenzoller (und damit indirekt durch Preußen) "umklammert" und protestierte, was schließlich zum Erfolg führte: Am 12. Juli gab Karl Anton von Hohenzollern-Sigmaringen, Leopolds Vater, den Verzicht seiner Familie auf die spanische Königswürde bekannt. Napoleon III. war dieser Verzicht jedoch nicht genug, er verlangte von König Wilhelm I. von Preußen die Garantie, dass seine Familie für alle Zeiten völlig auf den spanischen Thron verzichtet. Er ließ seine Forderung über den französischen Botschafter in Preußen, Vincent Benedetti, an den preußischen König bringen, als der gerade in Bad Ems zur Kur weilte. Wilhelm lehnte jedoch ab, da er solch eine Garantie nicht verantworten könne. Sein Minister und späterer Reichskanzler Otto von Bismarck ließ daraufhin diese Unterredung stark verkürzt veröffentlichen, weshalb sich die Franzosen nun ihrerseits stark angegriffen fühlten. Diese "Emser Depesche" war dann auch der direkte Anlass für die Kriegserklärung Frankreichs an Preußen, die am 19. Juli 1870 erfolgte. Durch das 1866 erzwungene "Schutz- und Trutzbündnis" mit Preußen war Bayern jetzt verpflichtet, an deren Seite in den Krieg mit einzutreten. Auch jetzt fiel König Ludwig die Entscheidung zur Mobilmachung nicht leicht, schließlich musste er seine Truppen in einen Krieg gegen sein geliebtes Frankreich schicken. Ausserdem ahnte er schon, dass ein Sieg die preußische Übermacht noch mehr stärken und Bayern noch mehr von seiner Eigenständigkeit als Staat verlieren würde. Wieder zog er sich während des ganzen Krieges in die Einsamkeit seiner Bergwelt zurück und weigerte sich die Truppen im Feld zu besuchen. Die bayerische Bevölkerung befand sich jedoch schon in einem Taumel der nationalen Begeisterung, was sich besonders am 27. Juli 1870 zeigte, als der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm in München den Oberbefehl über die bayerischen Truppen übernahm. Als dann am 01. September 1870 nach der Schlacht von Sedan die Kapitulation der französischen Armee und die Gefangennahme Napoleons III. bekannt wurde, brach in ganz Deutschland ein Freudentaumel aus, der auch vor München nicht haltmachte. Man veranstaltete einen Festzug zu Ehren der siegreichen Truppen, doch König Ludwig blieb dem Ereignis fern, was in der bayerischen Bevölkerung erneut zu Mißstimmungen führte. Nachdem die deutschen Truppen dann schließlich Versailles erreichten, hatte der "Eiserne Kanzler" Bismarck sein angestrebtes Ziel der Gründung eines Deutschen Reiches unter preußischer Führung erreicht. Der Form halber erhielt nun der bayerische König als Vertreter der übrigen deutschen Staaten ein von Bismarck verfasstes Schreiben, mit welchem er seinem preußischen Vetter Wilhelm I. die deutsche Kaiserwürde antragen sollte. Obwohl Ludwig einige Änderungen zufügte, fiel ihm die Unterzeichnung des sog. "Kaiserbriefs" erneut schwer, wusste er doch, dass sein Land in einem Deutschen Reich seine Eigenständigkeit verlieren würde. Und auch wenn die bayerischen Gesandten bei den Verhandlungen in Versailles so manches Sonderrecht für Bayern erringen konnten, sah Ludwig in der Reichsgründung am 18. Januar 1871 den Untergang der eigenständigen Herrschaft über sein Land Bayern. Von da an zog er sich fast vollständig von den Regierungsgeschäften zurück und floh in der Einsamkeit der Bergwelt immer mehr in seine Traumwelten und Schlösserbauten, was ihm dann später zum Verhängnis werden sollte. |