Geburt
Am 06. Mai 1843 erlitt Marie eine Fehlgeburt, doch um die damals 17jährige nicht zu beunruhigen,
verschwieg man es ihr die ersten zwei Wochen.Fast wäre also nicht Ludwig das erstgeborene Kind des Kronprinzen Maximilian I. gewesen. Nach zwei Jahren Ehe wurde Marie dann erneut schwanger und zum Jahreswechsel 44/45 wurde das freudige Ereignis der Öffentlichkeit bekanntgegeben. Den Frühling verbrachte die werdende Mutter dann auf Schloss Hohenschwangau und im Juli zog sie mit ihrem Mann Maximilian nach München, in die Sommerresidenz Schloß Nymphenburg. Am 24. August 1845 war es dann soweit, als bei Marie so gegen sechs Uhr morgens die ersten Wehen einsetzten. "Die Geburt war schwierig und langsam", wie Leibarzt Prof. Dr. von Gietl notierte, denn Ludwig kam erst gegen viertel nach Mitternacht auf die Welt. Es waren also seit den ersten Wehen rund 18 1/2 Stunden vergangen, was große Strapazen für die noch junge Mutter bedeutete. Außerdem war es ein sehr großes Kind und das enge Becken der zierlichen Marie verlangsamte die Geburt zusätzlich. In ihren Erinnerungen notierte Marie: "Die Strapazen wurden jedoch gelindert durch die Liebe des Kronprinzen und seiner Eltern, alle drei wichen kaum von mir und litten unendlich viel, mich so leiden zu sehen; aber wirklich, ich kann Gott nur für die Schmerzen danken, die Er mich gleich nach der Geburt des lieben Kindes vergessen ließ - o welch Augenblick war das ..." Ludwig kam also am 25. August 1845 im sog. "Maserzimmer" zur Welt und dieses Zimmer befand sich genau über dem Zimmer, in welchem zwanzig Jahre zuvor Ludwigs Urgoßvater Max I. gestorben war. Der Großvater König Ludwig I. war hocherfeut über den Enkel, kam dieser doch am selben Tag und zur gleichen Stunde zur Welt wie er einst vor 56 Jahren zur Welt gekommen ist. Die Taufe war bereits einen Tag später im Festsaal des Schlosses Nymphenburg. Taufpaten waren mütterlicherseits der Großonkel Ludwigs, König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und väterlicherseits der Onkel, König Otto von Griechenland. Letzterer war jedoch nicht anwesend und wurde somit von den Großeltern König Ludwig I. und Königin Therese vertreten. Auch die Mutter Marie war nicht bei Taufe dabei, da sie noch im Wochenbett lag. Getauft wurde das Kind auf den Namen Otto Ludwig Friedrich Wilhelm, doch schon kurze Zeit später setzte man den Namen Ludwig an die erste Stelle, da er ja am Ludwigstag zur Welt kam. Sein jüngerer Bruder erhielt dann den Rufnamen Otto. Der Großvater König Ludwig I. war über seinen Enkel und die UmstÜnde der Geburt so hoch erfreut, daß er ihm zur Begrüßung ein Gedicht schrieb:
Sey mir willkommen, mein Enkel, dessen Name der meine; Tag und Stund der Geburt, sie hast du mit mir gemein. Sey mir willkommen! Ich rufe es laut aus der Fülle des Herzens, Wird, von dem Teutschensinn wirksam das deine erfüllt; Von dem Glauben der Väter , dem heiligen welcher verbindet Unzertrennlich das Volk mit dem beschützenden Thron. Bist hingewiesen auf mich von dem Himmel, der andere Ludwig Lebe in dir noch fort, lebend schon lange nicht mehr. Sink' ich in's Meer der Ewigkeit hin, erhebe dich ein Herrscher. Aber es herrscht nur der, welcher sich selbst beherrscht. Dessen sey immer gedenk. Sey beglückend beglückt. Es umfange wie der Aether die Welt so deine Liebe dein Volk. |
Kronprinz Otto
Ludwigs Bruder Otto wurde mitten in den Wirren der 48er-Revolution geboren, denn
diese "deutsche" Revolution machte auch vor den Toren Münchens
nicht halt.Höhepunkt der Revolution in München war die Abdankung König Ludwigs I. von Bayern zugunsten seines Sohnes Maximilian am 20. März 1848. Obwohl Marie bereits mit ihrem zweiten Kind hochschwanger war, lehnte sie das Angebot von Herzog Max in Bayern, ins ruhigere Possenhofen am Starnberger See zu kommen, ab. Stattdessen blieb sie bei ihrem Gemahl in München und brachte dort am 27. April 1848, allerdings zwei Monate zu früh, ihren zweiten Sohn zur Welt. Zwei Tage später wurde das Kind im Königsbau der Residenz aufden Namen Otto Luitpold Wilhelm Adalbert Waldemar getauft. Pate war erneut König Otto von Griechenland. Das Zusammenleben der beiden Prinzen war eigentlich so wie bei jeden Geschwistern, Otto bekam jedoch von Anfang an immer wieder zu spüren, daß "Kronprinz Ludwig stets der erste ist". Und obwohl die beiden Brüder sehr aneinander hingen, waren sie doch von Grund auf verschieden. Otto war ein begeisterter Jäger und hatte Spaß an öffentlichen Veranstaltungen wie Empfängen oder Hofbällen. Außerdem liebte er das Reisen und war so ständig mit seiner Mutter unterwegs. Auch das Militär hatte es ihm angetan und sein Militärdienst wurde zu seinem Beruf. Er war immer der heiterste in der Königsfamilie. Um 1867 kursierten jedoch bereits Gerüchte um eine angebliche Geisteskrankheit des 19jährigen Prinzen, denn es wurde berichtet, daß Otto unter seltsamen Unruhe- und Angstzuständen leide. Schon 1865 ließ Marie ihren Sohn deshalb untersuchen, doch die Ärzte verwiesen auf ein "Jugendirresein", welches sich von selbst legen würde. Ottos Teilnahme am deutsch-französischen Krieg und die damit verbunden "Kriegserlebnisse" verschlechterten seinen psychischen Gesndheitszustand zusehens. Bereits 1871 wurde Otto von seiner Familie "als nicht mehr sukzessionsfähig" betrachtet. Seine Verwirrtheits-, Angst- und Wahnzustände steigerten sich derart, sodaß er schließlich unter ständiger Bewachung im Schloß Nymphenburg behandelt wurde. Er isolierte sich immer mehr von seiner Aussenwelt. Später kam er nach Schloß Fürstenried, wo er ab April 1883 den Rest seines Lebens in Verwahrung verbrachte. Sein behandelnder Arzt, Dr. Bernhard von Gudden, konstantierte bei Otto eine sog. "Paranoia", auch "Verrücktheit" genannt. Nachdem sein Bruder König Ludwig II. von Bayern 1886 entmündigt wurde und im Starnberger See unter mysteriösen Umständen umkam, wurde Otto dessen Nachfolger. Da seine geistige Verfassung jedoch keinerlei Regierungsgeschäfte zuließ, übernahm sein Onkel Luitpold als Prinzregent die Reichsverwesung. Nach einer Verfassungsänderung und dem Tod Luitpolds wurde König Otto I. von Bayern am 05. November von seinem Vetter abgelöst, der dann als Ludwig III. der letzte König von Bayern wurde. Mit 68 Jahren starb Otto schließlich am 11. Oktober 1916 in völliger geistiger Umnachtung und wurde neben seinem Bruder in der Krypta der St.Michaelskirche zu München beigesetzt. Otto überlebte seinen drei Jahre älteren Bruder Ludwig also um 30 Jahre. |
Alltag der beiden Prinzen
Die beiden Prinzen wurden von ihrem Vater sehr streng erzogen, dabei aber in keiner
Weise auf ihre eigentliche Lebensaufgabe als zukünfitgie Repräsentaten
eines Volkes vorbereitet.Wenn die Königsfamilie in München war, ließen die offiziellen Verpflichtungen König Maximilian kaum Zeit für seine Söhne. Er sah sie nur mittags beim zweiten Frühstück und abends bei der Hoftafel. Dabei reichte er ihnen oft nur die Hand zum Gruß. Jugendliche Streiche und Pflichtversäumnisse maßregelte der Vater oft mit Prügeln, eine Maßnahme, die er für unabdingbar hielt, damit aus den Kindern mal tüchtige Fürsten würden. Zudem legte der Vater für seine Söhne einen strengen Tagesplan fest, den die Prinzen einzuhalten hatten. Auch das Taschengeld und sonstige "Zuwendungen" für die Prinzen waren kanpp gehalten. Es steht heute ausser Zweifel, daß die überaus harte, asketische und lieblose Erziehung in der äußerst empfindsamen Seele Ludwigs deutliche Spuren hinterlassen mußte und sich daraus Komplexe bildeten, die erst in späten Jahren zum Ausdruck kamen. Die im Unterbewußtsein des Kronprinzen sehr tief verwurzelte innere Abwehr gegen die ihm auferlegten Zwänge während seiner Kindheit führten später zu seinem ubersteigerten Macht- und Majestätsbewußtsein. Später bekannte Ludwig einmal: "Wir haben vor unserem Vater gezittert." Außerdem fühlten die Prinzen sich von oben herab behandelt. Vater und Söhne lebten eher auf Distanz und Ludwig empfand es als traurig, dass er höchstens "en passant" mit einigen gnädigen, kalten Worten gewürdigt wurde. Der Vater seinerseits kritisierte, dass Ludwig nichts ineterssiere, was er anrege. Erschwerend kam hinzu, dass Maximilian II. aus gesundheitlichen Grün monatelang in Italien oder bei seinem Bruder Otto in Griechenland weilte. So kam es auch, dass die Erziehung Ludwigs hauptsächlich von Erziehern ausgeführt wurde. Zu seiner ersten Erzieherin Sibylle Meilhaus hatte der junge Prinz jedoch stets ein gutes Verhältnis und schrieb ihr auch nach seiner Krönung noch desöfteren längere Briefe. Das Verhältnis der beiden Prinzen untereinander war eigentlich wie bei anderen Geschwistern auch. Es galt nur immer, dass "Ludwig stets der Erste sei", da er ja als ältester der beiden später einmal der Thronerbe sein würde. Aber Ludwig und Otto waren doch ziemlich verschieden, nicht nur vom äusseren Erscheinungsbild. Nicht charakterisiert die Brüder besser, als eine Eintragung der beiden in das Gästebuch des Schweizerhauses ihrer Mutter in der Bleckenau. Am 15. August 1864 hinterließ der junge König Ludwig dort folgendes Gedicht: Wie freu`ich mich, Dich wieder zu begrüßen, Du stilles Haus nach langer, langer Zeit! - Vergnügt begrüß`ich dieses Baches friedlich Fließen, Euch Bäume und Euch Berge weit und breit. Ich atme hier der Berge frische Lüfte, Erfreu`mich an des Himmels klarem Blau, Es grüßen mich der Blumen süße Düfte, Auf Ihren Blättern liegt des Himmels frischer Thau. So sag ich dieser Gegend nun, der hehren, Mein Aufenthalt wird lange noch hier währen. Ludwig Prinz Otto trug nach dem Bruder am gleichen Tag ein: Eben trug Fürst Taxis Mit Kellner Praxis Kaffee und Butter Uns zum Futter. In seinem lebenslustigen Bruder sah Ludwig eine Art Stellvertreter, der statt seiner die ungeliebte Uniform trug, ihn bei militärischen Anlässen vertrat und für ihn an Jagden teilnahm. Den größten Teil ihrer Kinder- und Jugendzeit verbrachten die beiden Prinzen bei ihrer Mutter in Schloß Hohenschwangau. Hier wurde der junge Ludwig insbesondere durch die herrlichen Wandmalereien im Stil des 19. Jahrhunderts an die große Vergangenheit seines Hauses Wittelsbach erinnert. Die Heroen der deutschen Heldensagen beflügelten ihn und regten sein phantasievolle Gemüt an. Schon damals durchstreifte er gerne für sich alleine die Wälder und Täler rund um Hohenschwangau. Hier "entstand" auch seine Liebe zu den Bergen und dem einfachen Volk, die das spätere Leben des Monarchen prägten. |
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