Burgruine Falkenstein

Im Bereich der Gemeinde Pfronten, etwa 12 km Luftlinie von Schloß Neuschwanstein entfernt, wollte sich König Ludwig II. von Bayern seinen letzten Traum erfüllen.
Anstelle der alten Burgruine Falkenstein, die der Monarch von seinen Wanderungen und Ausritten in die Umgebung von Hohenschwangau her kannte, sollte eine gewaltige Schloßanlage errichtet werden.

1883, also drei Jahre vor seinem Tod, beschäftigte Ludwig sich erstmals mit diesem Gedanken. In dieser neuen Burg wollte er all seine Wünsche und Vorstellungen verwirklicht sehen, die in Neuschwanstein baulich und künstlerisch nicht mehr möglich waren.
1884 schließlich erwarb der König die Burgruine Falkenstein als königliches Privateigentum.
Gleichzeitig legte der Hofarchitekt Georg von Dollmann, der auch schon beim Bau der anderen Schlösser mitgewirkt hatt, einige Entwürfe zum Neubau von Falkenstein beim König vor. Die ersten Entwürfe zeigten ein relativ kleines Schlösschen, dass eher einer herrschaftlichen Villa, denn einer Burg glich.
Doch Dollman saß damals zwischen zwei Stühlen:
Einerseits wünschte der König einen Prachtbau, andererseits jedoch konnten durch die verschuldete Kabinettskasse nicht mehr die für solch einen Bau erforderlichen Mittel aufgebracht werden. Deshalb versuchte er, den Bau so klein wie möglich zu halten.
Der König war jedoch mit solch einer "kleinen" Lösung überhaupt nicht zufrieden und entließ Dollmann aus der Bauplanung. Er beauftragte dann Oberbaurat Max Schultze mit der weiteren Arbeit an dem Projekt.

Dieser entwickelte nun folgende architektonische Vorstellung:
Der Grundriß sollte nicht zu weit ausgedehnt werden, um die Burganlage so weit wie möglich in die Landschaft einzupassen. Er beabsichtigte, von der Felsspitze nur etwas 3 1/2 Meter abtragen zu lassen, damit die steil abfallende Geländepartien durch Treppenrampen und Terassen in die Anlage mit einbezogen werden konnten. Eine unregelmäßig gehaltene Mauer, unterbrochen von kleinen Türmchen und Bastionen, was als Umfassung der neuen Burg vorgesehen. Das geplante Bauwerk war nur von Osten her zugänglich, und für diesen Zugang war ein freistehender Torturm geplant. Das Hauptgebäude sollte dreistöckig werden, überragt von einem mächtigen Turm, dem Bergfried. Als Rechteck gedacht, sollte sich das Hauptgebäude in einer Achse von Ost nach West erstrecken. Ein Quertrakt war ebenfalls geplant, der auf einem vorhandenen natürlichen Felsvorsprung zu stehen kommen sollte. Die Raumaufteilung der neuen Burg sollte ähnlich der von Neuschwanstein erfolgen.

Umgehend wurde dann mit dem Ausbau des schon früher vorhandenen Holzabfuhrweges zu einer Fahrstraße begonnen. Die Kosten für den Bau dieser noch heute existierenden Straße wurden dem Bauetat von Neuschwanstein zugeschrieben.
Erst am 27. Dezember 1884 wurde ein eigener Falkenstein-Etat aufgestellt.
Bereits Ende 1885 sollte der Rohbau stehen, aber immer neue Änderungswünsche des Königs und die ständig wachsende Schuldenlast des Bauherrn verhinderten dies.
Als der Baudirektor im August 1885 jedoch erkennen musste, daß mit einer Verwirklichung des Projekts in näherer Zukunft nicht mehr gerechnet werden konnte, gab er den Auftrag am 14. September 1885 an den König zurück. Der König legte die weitere Planung dann in die bewährten Hände von Julius Hofmann, der schon seit Jahren mit den Vorstellungen und Wünschen Seine Majestät betraut wahr. Dieser änderte die Planung Schultzes in einigen Punkten strikt nach den Wünschen des Königs.

Durch den plötzlichen Tod des Monarchen am 13. Juni 1886 wurden jedoch alle Arbeiten am Projekt Falkenstein wie auch an den anderen Schlössern sofort eingestellt und das Grundstück am Falkenstein wurde wieder verkauft.

Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an der Mauer der Ruine an die Pläne des bayerischen Märchenkönigs. Ausserdem befindet sich heute an der höchstgelegenen Burgruine Deutschlands ein Burghotel, dass man über die von Ludwig in Auftrag gegebene Straße erreichen kann.
 

Bilder-Galerie